2. Umgang mit zunehmender Vielfalt in der Schweizer Armee: NCBI gestaltet ein Präventionsprojekt gegen Mobbing, Gewalt, Rassismus und Diskriminierung
Die Schweizer Armee widerspiegelt als Milizorganisation die Gesellschaft. Die zunehmende Vielfalt unter den Rekruten und Rekrutinnen sowie die Polarisierung politischer Haltungen zum Thema Migration führen zu Spannungen im sowieso aufgrund des engen Zusammenlebens gestressten RS-Alltag. Immer wieder kommt es zu brisanten, schlagzeilenträchtigen Rassismus- und Gewaltvorfällen. Der Psychologisch Pädagogische Dienst (PPD) der Schweizer Armee und die Fachstelle Extremismus in der Armee fanden in NCBI einen kompetenten Partner, um geeignete Präventionskurse zu gestalten und Multiplikatoren-Schulungen durchzuführen.
Hier einige Beispiele aus den Kursen 2005-2007:
In der Rekrutenschule plagen Extremisten Schweizer
mit Migrationshintergrund aufgrund der Hautfarbe, Religion, Herkunft oder
des Namens. Da Stressbewältigungskursleiter, Führungspersonen
und Kameraden mit der Situation oft überfordert sind und es nicht genau
ihrem Auftrag entspricht, schauen sie auch in öffentlichen Fällen
weg.
Nach einer Bedürfnisabklärung wird ein massgeschneidertes Präventionsmodul
von NCBI entwickelt, getestet und optimiert.
| Moderatoren werden in einem dreitägigen Kurs von NCBI mittels Theorieblöcken, Lehrgesprächen, Einzel-, Partner- und Gruppenarbeiten sowie lebendigen und realitätsnahen Rollen-spielen zu Themen wie Vorurteile, Extremismus, Mobbing, Männlichkeit und Moderationstech-niken geschult. | ![]() |
Trainingsunterlagen und ein Film zum Thema werden neu konzipiert, um der
wachsenden Vielfalt in der Schweizer Armee gerecht zu werden. Um auch Fälle
auffangen zu können, die einer Weiterbearbeitung bedürfen, werden
von den PPD-Moderatoren Infoblätter und Hotline-Nummern verteilt. So
wird sichergestellt, dass einer Nachbearbeitung nichts im Wege steht. Mit
der erweiterten Werkzeugskiste und einem klaren Auftrag fühlen sich
die Moderatoren für ihre neue Aufgabe einsatzbereit und sicherer im
Umgang mit den Rekruten und den heiklen Themen.
Mobbing gegen schwächere Zugsmitglieder wird von
den Haupttätern mit fehlender Kameraderie des Opfers gerechtfertigt.
PPD-Moderatoren können während ihrer kurzen Präventionskurse
für RS-Züge mittels einfacher Techniken eine Mobbing-Dynamik schnell
erfassen. Die Erwartungen des Betriebs - in diesem Fall der Schweizer Armee
- werden klar kommuniziert: nach Dienstreglement steht Kameraderie allen
gleichermassen zu - ohne Rücksicht auf Herkunft, Hautfarbe, Religion,
Geschlecht, sexuelle Orientierung oder Sprachregion. Wenn jedem klar wird,
wie böse Witze und kleine Provokationen in Männergruppen gefährlich
ausarten können, dann wird die Zivilcourage von Einzelnen geweckt und
gefördert. Mit gezielten Übungen ermuntern die Moderatoren die
schweigende Mehrheit der Mobbing-Zuschauer, ihre Passivität zu überwinden,
das Wort zu ergreifen und ihre Stärke zu spüren, so dass sie das
Opfer aus der Isolation holen und die Gruppendynamik verändern können.
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26.08.2010, webmaster


